Schriftgröße

Eine Ära geht zu Ende

Präsident Mag. Michael Svoboda hat seine Funktionen im Kriegsopfer- und Behindertenverband zurückgelegt.

Aus gesundheitlichen Gründen sah sich Mag. Michael Svoboda gezwungen seine Funktionen im Kriegsopfer- und Behindertenverband und auch im Österreichischen Behindertenrat zurückzulegen. Der Vorstand des KOBV nimmt diese Entscheidung mit großem Bedauern aber mit wertschätzendem Respekt für den Menschen Mag. Michael Svoboda und mit gebührendem Dank für den jahrzehntelangen Einsatz als Präsident zum Wohle der Organisation, der Kriegsopfer und der Menschen mit Behinderungen in unserem Land zur Kenntnis.

Mag. Michael Svoboda, seit seiner Geburt behindert (Fehlen des rechten Unterarmes, Gehbehinderung), führt ein inklusives Leben, er hatte das Glück, dass nicht Mitleid, übertriebene Fürsorge und womöglich „das unter den Glassturz Stellen“ oder Ausgrenzung, aus dem Weg Gehen und Berührungsängste anderer sein Lebensalltag waren, sondern ein völlig zwangloser Umgang miteinander, sowohl zu Hause, in der Schule, im Beruf als auch in der Freizeit. Dass diese Normalität nicht dem erlebten Alltag vieler Menschen mit Behinderungen entspricht, ist leider nach wie vor Tatsache, daher war es Präsident Svoboda auch ein persönliches Anliegen, alles daran zu setzen, dass die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Lebenslagen vom Lippenbekenntnis zur gelebten Wirklichkeit wird.

Seit 1982 als Mitarbeiter der Rechtsabteilung des KOBV, ab 1987 als Generalsekretär des KOBV Österreich und von 1999 bis 2022 als Präsident des KOBV Österreich und des KOBV für Wien, Niederösterreich und Burgenland sah er seine wichtigste Aufgabe darin, das Gedankengut der Kriegsgeneration, das es möglich gemacht hat, dass über eine halbe Million Kriegsopfer (Beschädigte, Witwen, Waisen und Eltern) trotz oft schwierigster Rahmenbedingungen in Beruf und Gesellschaft (re-)integriert wurden, weiterzuführen. Mag. Michael Svoboda ist bekannt als fachlich äußerst kompetenter, hartnäckiger und zielstrebiger Vertreter der Kriegsopfer und Menschen mit Behinderungen mit hohem Verhandlungsgeschick und Handschlagqualität. Als Präsident der Dachorganisation von mehr als 80 Interessenvertretungen für Menschen mit Behinderungen in Österreich, dem Österreichischen Behindertenrat, Aufsichtsratsvorsitzender der Wien Work integrative Betriebe und AusbildungsgmbH, Mitglied in vielen öffentlichen Gremien, wie dem Ausgleichtaxfondsbeirat, dem Bundesbehindertenbeirat, dem Dachverband der Sozialversicherungsträger, dem Versöhnungsbeirat, dem Publikumsforum „Haus der Geschichte Österreichs“, dem Aufsichtsrat und der Besetzungskommission der Monopolverwaltung GmbH und als fachkundiger Laienrichter beim Bundesverwaltungsgericht, setzte er sein Wissen und seine Arbeitskraft konstruktiv dafür ein, um die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen zu verbessern.  

Präsident Mag. Michael Svoboda hinterlässt große Spuren in der österreichischen Behinderten- und Sozialpolitik: Das Bundespflegegeldgesetz, ein Meilenstein im österreichischen Sozialstaat; die Beibehaltung des erhöhten Kündigungsschutzes für begünstigt Behinderte nach dem Behinderteneinstellungsgesetz, ohne dessen Schutz tausende Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen verloren gehen würden; das EU konforme Tabakmonopolgesetz, wodurch zahlreiche Menschen mit Behinderungen mit der Bestellung zum Tabakfachhändler ihre Existenz sichern konnten und weiterhin können; das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz mit weitreichenden Antidiskriminierungsbestimmungen; die Einführung der Rezeptgebührenobergrenze, jährlich für zigtausend Menschen eine wesentliche finanzielle Entlastung; nicht zu vergessen die Schaffung des Conterganhilfeleistungs- und Heimopferrentengesetzes und die Absicherung der Kriegsopferversorgung, um nur ein paar Beispiele zu nennen, die nicht zuletzt durch seine Beharrlichkeit erfolgreich umgesetzt wurden. Aber Präsident Mag. Michael Svoboda war kein Einzelkämpfer, er wusste das Potential des KOBV mit seinen tausenden ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionären als Motor für die Behinderten- und Sozialpolitik einzusetzen.

Als Präsident des KOBV Österreich, der Dachorganisation der Kriegsopfer- und Behindertenverbände in Österreich war es ihm auch stets ein wichtiges Anliegen, die Landesverbände zu unterstützen und die Weiterentwicklung der Organisation voran zu treiben. Auch die mit Hilfe von Fördermitteln des Sozialministeriums im Jahr 2006 geschaffene BVP-Servicestelle ist auf seine Initiative zurück zu führen.

Für all diese Leistungen und sein unermüdliches Engagement gebührt Mag. Michael Svoboda unser herzlicher und aufrichtiger Dank! Für die Zukunft wünschen wir ihm alles erdenklich Gute und um seine Worte zu verwenden: „Lieber Michael, wir wünschen Dir, dass Du die Pensionsversicherung sehr lange und die Krankenversicherung sehr wenig in Anspruch nehmen musst!“

KOBV Österreich Vorstand