Seit 2024 ist KOBV-Präsident Franz Groschan Teil einer Fokusgruppe, die im Rahmen des Disability History Projects des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö) die Geschichte von Menschen mit Behinderungen aufarbeitet. Über 400 Objekte wurden nach einem öffentlichen Sammelaufruf im vergangenen Jahr eingereicht und von den Mitgliedern der Fokusgruppe bearbeitet.
Ziel des Disability History Projects, das vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) finanziell unterstützt wird, ist es, die Erfahrungen und das Engagement von Menschen mit Behinderungen von 1848 bis heute mithilfe von materieller Kultur sichtbar zu machen.
Diese Aufarbeitung ist für Österreich als demokratischer Rechtsstaat wichtig, weil es in der Gesellschaft zwar seit jeher Menschen mit Behinderungen gibt, die aktiv für Selbstbestimmung eintreten, ihre Geschichten und ihr Einsatz für die Menschenrechte, zu denen die Behindertenrechte gehören, lange Zeit jedoch unberücksichtigt blieben. Gleichzeitig vermittelt das Projekt Menschen ohne Behinderungen einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, für Selbstbestimmung kämpfen zu müssen und fördert damit ihr Verständnis für Menschen mit Behinderungen.
Rege Beteiligung der Bevölkerung
Die 400 Objekte, die dem hdgö von der Bevölkerung angeboten wurden, wurden von der Fokusgruppe, die neben KOBV-Präsidenten Franz Groschan aus Vertreter:innen anderer Behindertenorganisationen sowie aus Fachleuten verschiedener Bereiche besteht, begutachtet und diskutiert. Mehr als 100 von ihnen werden in der Web-Ausstellung „Selbst bestimmt!“, die laufend wächst, digital präsentiert.
Aufruf zur Beteiligung
Die Web-Ausstellung des hdgö lädt zum Mitmachen ein:
Es können weiterhin Objekte und persönliche Geschichten beigetragen werden, die den politischen Aktivismus von Menschen mit Behinderungen darstellen.
Im hdgö selbst wurden bislang 15 Objekte in die bestehende Ausstellung und damit in die Geschichte des Landes integriert. Dies wird dem Charakter der Inklusion gerecht und stellt anschaulich dar, dass Menschen mit Behinderungen ein bedeutender Teil der Gesellschaft sind.

Vom Skelett bis zu Christbaumkugeln
„Die Arbeit in der Fokusgruppe war eine unglaublich erfüllende und spannende Erfahrung für mich“, sagt Präsident Franz Groschan. „Viele der gesammelten Objekte haben mich sehr berührt und werden mir lange in Erinnerung bleiben“, fügt er hinzu.
Eines davon, das Demonstrationsskelett „Klusi“, symbolisiert das Warten auf eine barrierefreie Wohnung in Salzburg, die es aufgrund von Einsparungen nicht gibt. Künstlerin Anna Magdalena Weiss, die ihre Kindheit im Psychiatrischen Krankenhaus „Am Steinhof“ (Wien) verbrachte, versucht, ihre Erlebnisse mit Bildern und Figuren zu verarbeiten. Und mit den Christbaumkugeln „Piss on Pity“ aus Innsbruck drücken Menschen mit Behinderungen aus, dass sie kein Mitleid, sondern Rechte wollen.



Wenn die Vergangenheit zukunftsweisend ist
Das Disability History Project zeige die persönlichen und berührenden Geschichten von Menschen mit Behinderungen anhand von Objekten, die die Perspektiven der Betroffenen dokumentieren und widerspiegeln, wie Groschan betont. Dadurch wird die Behindertenrechtsbewegung einem breiten Publikum vermittelt und zugänglich gemacht. Das Projekt ist daher in den Augen des KOBV sehr wertvoll für Menschen mit und ohne Behinderungen.

Präsident Franz Groschan bedankte sich beim hdgö-Team für die professionelle Arbeit. © KOBV
„Wenn wir Vergangenes aufarbeiten und sichtbar machen, beschreiten wir einen Weg, an dem wir unsere Zukunft ausrichten können. Zu verstehen, was bereits erreicht worden ist und welche Herausforderungen noch vor uns liegen, motiviert, Ziele gemeinsam zu erreichen. Das Verständnis füreinander, das durch das Disability History Project auch bei Menschen ohne Behinderungen entsteht, ist für diesen Prozess sehr wichtig.“ – Franz Groschan, KOBV-Präsident
Fortführung um zwei weitere Jahre
Die Weiterführung des Projektes, um die der KOBV Österreich im April dieses Jahres in einem Brief an Sozialministerin Korinna Schumann und in einem persönlichen Gespräch ersuchte, ist nun vonseiten des BMASGPK bis Ende 2027 gesichert. Die Ministerin und hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer gaben die Fortsetzung der Kooperation bekannt, die eine zukünftige Hauptausstellung ermöglichen soll.
„Durch die Weiterführung des Disability History Projects können wir Inklusion gemeinsam auf eine neue, höhere Ebene bringen“, zeigt sich Groschan im Namen des KOBV angesichts der positiven Neuigkeiten sehr erfreut. Auch wenn der Weg zur vollständigen Inklusion noch ein langer ist, setzen sich der KOBV und das hdgö weiterhin dafür ein, dass die Geschichte der Behindertenbewegung in Österreich sichtbar wird.
Alle Informationen gibt es hier: